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olanrewaja's Tagebuch    


2010 92010 11   Oktober 2010  
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Eintrag von olanrewaja am 20.10.2010

Das ist nur der Anfang....


Geboren bin ich (Lizzy) im Winter 1977 in Kiel. Meine Geburt alleine ließ schon nichts Gutes versprechen. Meinem Vater (Karl) gehörte eine gutlaufende Kneipe in der Kieler Innenstadt und meine Mutter (Sabine) lernte ihn kennen, als sie selbst noch viel zu jung für ein Kind war.
Sie hatte sich blind in ihn verliebt. So blind, daß sie nicht sehen wollte, daß er kein Mann für eine Familie war. Er hatte viele Frauen gleichzeitig, was sich viel später in meinem Leben noch rausstellte. Meine Mutter jedoch wurde schwanger und als sie kurz vor der Entbindung war hat mein Vater ihr genau das auch ziemlich klar gezeigt, denn er hat versucht mich aus ihrem Bauch zu treten. Auf der Intensivstation wurde ich dann fast Termingerecht zur Welt gebracht.
Meine Mutter hat sich von den körperlichen Verletzungen recht schnell wieder erholt, aber die seelischen Verletzungen waren zu tief und die Beziehung zwischen ihr und meinem Vater war irreperabel nach dieser "Geschichte". Meine Mutter hatte durch mich ihre Liebe verloren,...
Da ich nun also ganz offensichtlich kein Kind-der-Liebe war wollte meine Mutter mich in ein Heim und zur Adoption frei geben. Meine Großeltern (Sylvia und Georg), zu dieser Zeit auch noch recht jung hatten aber irgendwie Mitleid mit mir und habe mich bei sich aufgenommen.
Ich hatte die ersten Jahre eine wohl recht normale Kindheit in einem schönen Wohngebiet am Kieler Stadtrand.
Aus Erzählungen weiß ich, daß ich sehr brav, angepaßt und lieb war. Erinnern kann ich mich nur an die Tage der frühesten Kindheit an denen ich viel draußen gespielt habe und eigentlich alles recht idyllisch war.

Ich lebte bei meinen Großeltern und sah meine Mutter mehr oder weniger Regelmäßig, auch wenn wir nie ein inniges Verhältniss zueinander aufbauen konnten und Sabine nie wirkliches Interesse an mir hatte.
Als ich sechs Jahre alt war, wurde meine Mutter zum zweiten Mal schwanger und ich war das glücklichste Kind der ganzen Welt als meine Schwester ( Jenny) einen Tag vor meinem Geburtstag  geboren wurde.  
Sabine wohnte mit Jenny und dessen Vater nicht weit von uns weg und fragte mich plötzlich, ob ich nicht auch bei ihr wohnen wollte.
Ich war so glücklich, meine Mutter wollte mich, sie hatte mich also dóch lieb.
Ich habe das folgende halbe Jahr dort gewohnt und war wie eine "Ersatzmutter" für Jenny. Sabine und der (ich nenne ihn hier nur Typ, weil er keine wirklich Rolle gespielt hat) waren viel arbeiten und wenn sie zu Hause waren, gab es nur Krach. 
Der Typ ging Sabine ständig fremd, woraufhin sie sich täglich nach der Arbeit betrank  und dann so lange provoziert hat, bis es wieder Schläge gab.
Ich hab das alles zwar nicht verstanden aber immer versucht Jenny und mich aus der "Gefahrenzone" zu kriegen.
Wie gesagt, das ging ungefähr ein halbes Jahr, dann hat Georg gesagt, ich sei bei ihnen besser aufgehoben und ich bin wieder nach Hause.
Kurze Zeit später hat Sabine sich von dem Typen getrennt, ist mit Jenny in eine eigene Wohnung gezogen und hat ziemlich schnell Volker kennengelernt.
Ich hab Sabine und Jenny hin und wieder mal besucht und hab mich immer so gefreut Jenny zu sehen. Die Tatsache, daß Sabine für mich nicht viel übrig hatte hab ich für mich einfach ausgeblendet. Ich hatte ja zum Glück meine Großeltern, obwohl es mir schon desöfteren weh getan hat, wenn Sabine Jenny gelobt und geknuddelt hat und für mich meist nur böse Blicke über hatte. Aber ich hab das einfach ignoriert.
Zu Jenny´s 2. Geburtstag war ich schon früh am Morgen bei Sabine zu Besuch und sie wollte mich am nächsten Tag( meinem 9. Geburtstag) morgens vor der Arbeit wieder nach Hause fahren.
Der Geburtstag von Jenny wurde schon zum Frühstück von Sabine und Volker, meinem Onkel ( Peter) und den anderen anwesenden Erwachsenen "begossen" und es gab den ganzen Tag über schon Ärger, der immer schlimmer wurde, je höher der Alcoholspiegel stieg.






Kommentare


Von silversurfer am 23.10.2010 - 23:23 Uhr
Hallo Lizzy,

Dein Eintrag ist wirklich sehr bewegend und traurig. Es tut mir leid, dass Du gleich zu Beginn Deines Lebens so viel durchmachen musstest. Aber Du solltest Dir dafür nicht die Schuld geben oder sie bei Dir suchen. Du warst ein Opfer der Umstände und in diese traurige Situation hineingeboren worden. Es gibt absolut keinen Grund, dass Du die Ursache von all dem warst.

Ich bin kein Psychologe aber es ist wohl offensichtlich, dass Deine Mutter in Dir fälschlicherweise Deinen Vater gesehen hat oder ihn mit dir assoziiert hat. Dabei ist dieser Ansatz so falsch. Falscher geht gar nicht. Aber Du bist nunmal die Verbindung zu ihm und da wurde sie sehr wahrscheinlich an das ganze Leid erinnert. Trotzdem bist Du NICHT schuldig diesbezüglich!

Seine Familie kann man sich nicht aussuchen, heißt es ja. Und das stimmt auch. Eltern sind Vorbilder für ihre Kinder und diese nehmen Erfahrungen in ihr Leben auf und es prägt sie. Unter solch schwierigen Umständen ist es leider auch oft so, dass sich diese Lebensumstände der Kinder auf deren Kinder weiter überträgt. Ein teuflischer Kreislauf der so weitergeführt wird.

Bei Dir habe ich nun nicht den Eindruck, dass Du auf der gleichen Schiene weiterfährst, Im Gegenteil. Und damit möchte ich Deinen zweiten Satz aufgreifen, dass Deine Geburt nichts Gutes verheissen hat. Bist Du dir sicher? Alles passiert aus einem gewissen Grund, jeder hat seine Aufgabe im Leben. Du warst zum Beispiel für Deine Schwester da. Hast versucht sie zu beschützen.

Genau das zeigt doch, dass Du diese Leben, die Dir vorgelebt wurden nicht akzeptierst und auch nicht leben willst. Du nimmst das nicht als selbstverständlich sondern kämpfst dagegen an. Und ich bin mir sicher, dass Du Deinen Kindern mal ein anderes Leben vorleben und Ihnen die Liebe und Zuneigung entgegenbringen wirst, die Dir so schmerzlich versagt worden ist. Und genauso verdienst Du geliebt und respektiert zu werden. Und das wünsche ich Dir von ganzem Herzen. Und wenn Du einem Unbekannten hier aus dem Digi einen Gefallen tun willst, dann denkst Du immer daran, dass nicht Du der Grund für diese unglücklichen Umstände bist.

LG & schönes Wochenende
Silversurfer

P.S.: Herzlich Willkommen hier im Digi. :-)

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Leer im Kopf
Knitschgesicht am Morgen. Fühle mich müde und...

sich zeit geben
oft merkt man gar nicht wie sehr jemand fehlt...



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